Spielhagenstraße
Verkehrsberuhigter Umbau einer Wohnstraße in Berlin-Charlottenburg
Für die barocke Altstadt Charlottenburg lag ein 1986 abgestimmtes Straßenraumkonzept
der Planergemeinschaft vor. Es ist verträglich mit den generellen Leitlinien
zur Verkehrsberuhigung für Berlin, formuliert aber höhere Gestaltungsansprüche.
Zum ersten Mal stand seitdem die Erneuerung einer Straße an. Es war zu prüfen,
ob das Straßenraumkonzept konkret übertragbar und als Gesamtkonzept durchführbar
ist. Nach und nach sollten alle Straßenzüge einheitlich umgestaltet werden,
um den städtebaulichen Gebietszusammenhang zu verdeutlichen.
In der flächendeckenden Verkehrsberuhigung müssen neben der Ausweisung von
Tempo-30 zusätzlich bauliche Maßnahmen getroffen werden. Wegen der Vereinigung
Berlins muß in der aktuellen Situation eine Verbilligung der Baumaßnahmen
angestrebt werden, wozu u.a. die Wiederverwendung von aufgenommenem Pflastermaterial
führt. Aus straßenrechtlichen Gründen müssen die Bordsteine in ihrer
Lage verbleiben, die Fahrbahnbreite darf nicht reduziert werden. Mit einer Gliederung
der Fahrbahn in Parkstreifen (Granitsteine), Fahrstreifen (Asphalt) und Aufpflasterungen
wird eine Quer- und Längsgliederung erreicht. Als Aufpflasterung
werden Pyramidenstümpfe (sog. Berliner Kissen) vorgeschlagen, die Radfahrer
problemlos umfahren können, Pkw-Fahrer aber verlangsamen.
Wegen der für die Straßenbäume in diesem hoch verdichteten Stadtbereich notwendigen
Grundwasseranreicherung werden die Parkstreifen versickerungsfähig
verlegt, das verschmutzte Niederschlagswasser der Fahrbahn dagegen wird über
geeignete Querrinnen direkt zu den Einläufen geleitet. Die Gehwege werden auf
das notwendige Maß reduziert, gewonnene Flächen als Grünstreifen, teilweise für
Aufenthaltsfunktionen, durch niedrige Hecken vom Verkehr abgeschirmt. Der Gehweg
wird differenziert in Gehbahn (Granitplatten) und Unterstreifen (Kleinstein-Mosaik).
Durchgehend wird eine (auch von Pollern und Straßenmöbeln) hindernisfreie
Gehbahn für Gehbehinderte, mit fühlbarer Signalisierung von Hauseingängen,
Einfahrten und Straßenkreuzungen für Blinde geplant. Im Lauf der Bearbeitung
mußte ein weiteres, kostenmäßig reduziertes Konzeptentwickelt werden, jedoch war
trotz des vorliegenden Entwurfs wegen der Baumaßnahmen im Ostteil Berlins ein
Umbau der Spielhagenstraße nicht absehbar.
Auftraggeber: Bezirk Charlottenburg von Berlin, Stadtplanungsamt
Auftragnehmer: Planergemeinschaft Hannes Dubach, Urs Kohlbrenner, 1990/91
Bearbeiter: Hartl (PM), Kohlbrenner (PL), Zottmann (L)
Abb.:
• Ausschnitt Straßenverlauf
• punktuelle Straßenreparatur
• Berliner Kissen
• Gehwegüberfahrt
Zeichnungen: Christel Zottmann/ Planergemeinschaft


